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Katholische Landjugendbewegung Vörden                                     Marienmünster, den 01.11.1981
– Jugendheim –
Marktstraße 14
3477 Marienmünster-Vörden

Sehr geehrte Gemeindemitglieder, liebe Heimatgeschichtler!

Die Landjugendgruppe Vörden hat nun mit Unterstützung des Ortsheimatpflegers die Ortschronik von Vörden als zusammenhängendes Werk herausgebracht, um möglichst vielen Gemeindemitgliedern die Geschichte Vördens nahezubringen.

Zunächst einige Hinweise auf die Chronik:

Eine Ortschronik existiert in Vörden seit 1818; sie stellt eine wichtige Ergänzung der Pfarrchronik  – diese gibt es in Vörden seit 1658 –  dar.

In ihr werden alle wichtigen Ereignisse in der Gemeinde Vörden von 1818 bis 1934 festgehalten. Neben der Gemeindepolitik wird aber auch von nationalen Problemen (z.B. Kulturkampf; Ereignisse nach dem 1. Weltkrieg) berichtet. Die Eintragungen der alten Chronik enden mit dem Jahre 1934; spätere Aufzeichnungen sind heute nicht mehr greifbar.

Eine Eintragung aus dem Jahre 1945 weist daraufhin, daß die Chronik von 1934 – 1945 vervollständigt werden soll; leider wurde dieser Plan jedoch nicht in die Tat umgesetzt.

Fast dreißig Jahre galt die Chronik Vördens als verschollen, bis sie durch Zufall aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt wurde.

Aufgrund des Einsatzes von Herrn Siegfried Müller wurde es möglich, daß die Chronik – sie war nur schwer zu entziffern – mit Schreibmaschine abgeschrieben wurde. Die mühevolle Arbeit der Entzifferung übernahm Frau Rita Grawe, Talstraße; ihr sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihre Landjugendgruppe Vörden

Chronologische Anmerkung

Daß Städtlein Vörden Amt Steinheim Bisthum Paderborn, war im verflossenen Jahren bis 1800 in Ansehung der Hoheitsrechte und der Grundsteuer den Fürst Bischof von Paderborn unterworfen, wovon der letzte Frantz Egon von Fürstenberger Linie herstammte, die Erste Gerichtsbarkeit wurde von den Beamten zu Steinheim verwaltet, unter deßen Subordination ein Fürstlicher Richter in der Stadt Vörden wohnte und zur- aufnahme der Klagen gerichtliche Protocollen anführen Exsehsen zum Jahr geruht zu Notiren und unter der vidimation des Beamten alle Contractmäßige Verhandlungen aufnehmen konnte, wo bey dem selben ein Gerichtsdiener gehalten wurde, und beyde von Fürsten ein fixiertes Gehalt Jährlich, ohne andere Gebühren zu erwarten hatten.

wegen der Landes Schulden wurde Jährlich zu Paderborn von den Landstädten, der Ritterschafft und den Bürgermeistern aus den Städten wo zu der Bürgermeister von Vörden gehörte, Conferentz gehalten.

und Letzterer Tag mit einen Reichsthaler belohnt wurde. Und proportionsmäßig die übriegen Herrn ebenfalß aus der Landes Cahse belohnt wurden. In dießen Conferentz wurden die Landes Schulden berechnet, und zu deckung derselben eine jährliche abgabe, in Grund und Kopfsteuer bestimmt die Grundsteuer betrug in Letzten Jahren zehn bis eilf Schatzung, und nötigenfals eine zweimalige Kopfsteuer, die Abgaben wurden zwischen Martini und Ostern zur Winterzeit gehoben – umme den Ackerbauer im Sommer nicht zu molestiren.

Woher kam daß Bisthum Paderborn an die Konigliche Preusche Monarchie?

Alß im Jahr 1802 die gestlichen Bisthümer und Klöster aufgehoben worden, wurde das sonstige wohl löbliche Bisthum Paderborn Seine Majehtat Friederich Willhelm Ill König von Preußen vermöge des mit Deutschlandts Fürsten, und Frankreich zu geschloßenen Frieden als ein Erbfürstenthum zu theil, der darauf 1803 in Hildesheim durch den Minister Graff von Schulenburg die Huldigung durch abgeordnete Deputirte annahme.

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Im Jahr 1806 trat ein unglücklicher Krieg gegen Frankreich ein, unserß Königs Waaffen erlagen dem unglücke und Er muste benahe die hälfte seiner Staaten, wie auch unßere Provintz Paderborn an Frankreich opfern. nach den zu Tilsit im Jahre 1807 geschloßenen Frieden wurde aus den von Franckreich eroberten Ländern zu gleich ein neus Königreich Westpfahlen gebildet, und daßselbe den Bruder deß Kaißers Hieronimus Napoleon zu theil, der daßelbe ohn gefehr sechs Jahr beherschte Napoleon Kaißer von Frankreich wurde in einen Krieg gegen Rußland verwickelt, mit einer furchtbaren Armee drang er im Jahr 1812 in Rußland allein so sehr er auch in daß innere dießes großen Reichs drang und Augenscheinlich glücklich so neigten sich das glück mittels der Elemente und andere unfälle die mit Napoleon alliirten Könige und Fürsten filen von ihn ab, Versucht aber zuletzt nochmal eine Schlacht zu liefern, dießes war die bekannte für jeden Deutschen unvergeßliche Völlkerschlacht bey Leipzig welche von 15ten bis 23en Octobeis 1813 geliefert wurde, hier waren die Monarchen

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der König Von Preußen Kaißer Von Östreich und Rußland, die Könige von Baiern und Würtenberg und die kleinen Fürsten die sich gegen ihn erklärt hatten, und für die verlohren Deutsch freyheit kämpften. Napoleon und seine geschlagene Armee floh wurde aber Von Deutscher und Rußscher Armeen verfolgt bis über den Rhein in franckreich worauf Sie die feindliche Haupt Stadt Parieß eroberten, Triunpfierend zogen Friederich Willhelm Alexander und Frantz mit ihren Helden Blücher und Schwartenberg mit einen Theil ihrer Armeen in Parieß. da verzichtete der gantz über wundene Napoleon auf die Cron und der Regierung von Franckreich, worauf ihn von den Vereinten Mächten die Inßel Elba zum aufenthalt bestimmt worden Ludewig der 18te wurde als König von Franckreich anerkannt, und mit ihm der Friede abgeschlossen, worauf unßer König alle seine Verlohren und wieder eroberte Staaten, auch unßere Provintz Paderborn in besitz nahm-

Nachdem nun die hohen Monarchen zu Wien in einen Congreß versammelt waren umme Deutsche Freyheit dauernd zu begründen und zu führen. da erschol daß gerücht Napoleon wäre von der Inßel Elba Echapiert, und seye

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schon in der Frantzösischen Hauptstat Parieß, durch erfahrung überzeugt eilten die Drey ersten Mächte mit ihren Armeen in Adlers flug demselben entgegen mit einer gesammelten streitmasse griff er die Helden Blücher und Wellinston an. Er war der 14te Junius 1815 allein auch hier wurde derselbe bey Belle Aliance total geschlagen. die Preuschen und die englischen Armeen benutzten ihren Sieg Verfolgten den überallfliehenden Feind und eroberten zum Zweitenmal die Hauptstatt Parieß. der überwundene Napoleon wurde hierauf nach der Inßel Helena welche weit in Weltmeere liegt als gefangener abgeführt wo er unter socher Aufsicht steht, umme keine weitere unruhe mehr stifften zu können.

Wie bestunde die Gerichts Bahrkeit unter Westpfälischer Regierung?

Bey entstehung der Königlichen Westpfälischen Constitution lag die Frantzösische Regierungs Verfaßung zu Grunde, so wohl in Juristischer – Militärischer – und Geistlicher Hinsicht, alle von den Vormaligen Kaißer unterjochte Länder solte.

1tens wegen der Justitz verfassung nach den Codex Napoleon beurtheilt werden – und

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2tens wegen des Krieges weßens und der Conschription auf den Grund französischer Idee exestiren.

Daß Königreich Westpfahlen wurde in mehrere Departments getheilt Jedes Departement enthielte zwey bis drey Districkte den Departement stand ein Präfect als Vorstand vor, dem die Districts der unterpräfecte Subordiniert waren. dieße Comune zum Departemen Fulde District Höxter und war daß Canton Orth Vörden, und hatten wir den Herrn Baron von Metternich zum Unterpräfect und den herrn Goihausen zu Brakel und Canton Maire. Jedes Canton hatte einen Canton Maire und einen Friedensrichter, Jener versah die Policei und Conschription c.c. Letzterer die Justitz. Jede Gemeinde bildete eine Muniupalität(gemeint ist wohl Munizupalität !) deren erste Personen der Orts Mäere war.

Worin bestand die abgabe unter der ersten Regierung des Königs von Preußen?

Die Gemeinheit Vörden mußte aus der Gemeinheits Cahse als gezwunzgenes Krieges anleihe Zahlen in drey terminen 255 Reichtsthaler. die Zinßen hiervon wurden im anfange bis 1815 berichtiget nachdem die hierüber ausgestelten Obligationen Von Herrn Canton beanten Goihausen zu Brakel eingefordert worden und nach

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deßen Einsendung zu Caßel von den hohen Ministerio unter der Regierung des Königs von Westpfahlen bis auf ein drittel reduciert worden, nach dießen aber weder Zinßen noch Capital erhalten haben.

Wie war es mit der Priefatabgabe?

Es bliebe noch wie zu vor bey hochfürstlichen Zeiten in Grund und Personal Steuer die Person so über 16 Jahr alt, von kleinsten bis mitlern Stande beiderlei geschlecht, die Manns Persohn zahlt 5 mg weibliche 4 mg.

Worin bestand die Fabrikations Steuer?

Dießes bliebe anfänglich noch wie bei hochfürstlichen Zeiten. Jeder Branntweins Brennner muste zur freyen Betreibung seiner Branntweins Fabrikation 2 Reichtsthaler an die Landes Cahße bezahlen, jeder Bier Brauer p Thonne Bier so außerdem Orth gefahren 3 Pfennig.

Worin bestand die Zollabgabe?

Ein Vierspänniger Wagen mit Kauffmanns Waaren beladen, so von einen Amt in daß andere transportirt wurle mußte zahlen 3 Mariengroschen 3 Pfennig, ausgenommen von Wein oder Branntwein Von jeden Zugpferde 6 Mariengroschen.

Worin bestand die abgabe bey Westpfälischen Zeiten?

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Es wurde nun in Voll zug gebracht und eine Consumtions steuer auf alles fest gesetzt als von einen Schwein zu verschlachten so über einen Centner wiegt ohne ausnahne 10 gg die minderen 6 gg welches nachher noch verhöhet worden zu 14 gute groschen von einer Kuh 1 rth 3gg 8 pf. und nachher zu 2 rth 6 gg von 1 Scheffel zu mahlen oder schroten 9 pf nachher 11 pf: ferner

Die Fabrikations Steuer!

Jeder Branntweins Brenner deßem Blaßen geeicht werden mußten, zahlten in 24 Stunden benahe 6 pf von einer Hessischen Kanne, und alßo von 9 Uhr morgens bis den anderen Morgen wieder 9 Uhr und nach dießen Zeitpunkt der Helm wieder abgeliefert werden mußte.

Ein Bier Oder Essig Brauer deßen Pfannen geeicht werden mußten zahlten von einer Hessischen Kanne von Jeden gebraude benahe 5 pf

Dießes ist in der Zweiten Regierung des Königs von Preußen eben so beobachtet worden.


 

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