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©2022

Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Marienmünster ©2022


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Fortführung der Städtischen de 1854

Daß Jahr 1854 der Monath Januar, fing mit strenger Kälte und heftigen Schneegestöber an und dauerte bis zum 6ten fort, alsdan erfolgte gelinde Witterung und am 7ten Regen, und dauerte so bis zum Ende fort, die Kornpreise blieben wie im December 1855 bestehen, und kostet Berliner Scheffel

a Weitzen 4 Rth.
b Rocken 5 Rth. 77 Silgr. 6 Pf.
C Gerste 2 Rth. 15 Silgr.
C Hafer 1 Rth. 11 Silgr.

Der Monath Februar fing mit allmehliger gelinder Frostwittrung an, es erfolgte zugleich Schnee, so daß mit den Schlitten gefahren werden konnte, und bis zum ende fort.

In den ersten Tagen des Monathes März war helles angenehmes warmes Wetter, dauerte aber nuhr bis zum 6ten fort. Als dan erfolgte stürmisch kaltes Wetter mit schneegestöver, und dauerte bis zum ende fort.

Der Monath April fing wieder mit heller anhaltender trockener Wittrung an, worauf den 23ten 24ten und 25ten strenge Nachfröste erfolgten, so daß der Wintersahme, samt den Pflantzen totall verfrohren. Den 26ten 27-28-29- und 30ten heftiger Schnee und Regen.

In den ersten Tagen des Monath May war es sehr schön und warm, wornach am 4ten ein heftiger Regen erfolgte, wornach nach einigen Tagen wieder helles Wetter erfolgte, jedoch, des Nachts mit anhaltenden Reife anhielt. Die Kornpreise stiegen noch immer höer, und es herschte Mangel an Lebensmittelen allerart, so daß der Berliner Scheffel

a Weitzen 4 Rth, 5 Silgr.
b Rocken 3 Rth. 20 Silgr.
c Gerste 2 Rth. 20 Silgr.
d Hafer 1 Rth. 22 Silgr.

kostete.

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Der Monath Juni fing zwar in den ersten Tagen mit heller, angenehmer Wittrung an, hierauf aber ein anhaltender Regen, und dauerte bis zum ende fort, es trat auch in ende des Monaths die Krankheit unter den Kartoffel wieder ein und es herrschte Mangel an Getreide, und Hungersnoth in allen Gegenden, die Kornpreise stiegen noch immer höer, und kostet Berliner Scheffel


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a Weizen 4 Rth. 10 Silgr.
b Rocken 4 Rth.
c Gerste 3 Rth.
d Hafer 1 Rth. 25 Silgr.

Es wurde zugleich am 14ten d. Monaths die hießige Pfarrerstelle mit Herrn Pfarrer Franz Tigges aus Rolfzen wieder besetzt.

Der Monath Juli fing ebenfalls wieder mit heftigen Regen an, und viele der Futterkräuter als Heu und Klee wurden durch den stets anhaltenden Regen totall verdorben.

Es wurde auch zugleich am 29ten d. Monaths die erste Strecke zu der neuzubauenden Höxter Nieheimer-Kreisstraße verdungen, woran die an dieser Straße anliegenden Gemeinden durch Beschluß der Kreisstände und genehmigung der Königlicher Regierung zu Minden die Kostn der Erdarbeit, und daß beschaffen der sämtlichen steine ohne entgeldlich zur Last gelegt worden, womit auch unßere Gemeinde sehr hart betroffen worden.

In den ersten Tagen des Monaths August traf wieder ein anhaltendes Regenwetter ein, dauerte aber nuhr bis zum 12ten fort, nach diesen wurde ein helles angenehmes Wetter, so daß die Winterfrüchte mit aller Bequemlichkeit und trocken eingescheuert werden konnten.

Der Monath September war ebenfals anhaltend trocken, und angenehm, daß die Sommerfrüchte, welche allerwerts sehr guth gerathen, sehr gut und trocken eingescheuert werden konnten, auch die mit Winterfrucht zubestellenden Grundstücke rechtzeitig geseht werden konnten.

Die Ernte war in hinsicht des Strohertrages durchschnittlich sehr guth, aber sehr schlecht in der Ergiebigkeit.

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In Monath October war ebenfalls die Wittrung in jeder hinsicht günstig so daß die Kartoffeln welche zwar wegen der heftigen Krankheit sehr schlecht gerathen, jedoch gut eingeerntet werden konnten, die Kornpreiße blieben bestehen, und kostet a Berliner Scheffel
a Weizen 3 Rth. 5 Silgr.
b Rocken 2 Rth. 20 Silgr.
c Gerste 1 Rth. 15 Silgr.
d Hafer 1 Rth. 5 Silgr.

Die Monathe November und December fingen ebenfalls wieder mit heftigen Sturmwinden und vielen Regen an, und dauerten so bis zum ende fort.


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Es wurde auch am 11ten December 1854 der Contract wegen der neuzuverfertigenden Kirchenorgel abgeschlossen, welche also lautet.

Versammelt Vörden am 11ten December 1854

Zwischen den Gemeinderathe zu Vörden in Beisein des Herrn Amtmans Wagener zu Marienmünster einerseits und den Orgelbauer Herrn Randebrock zu Paderborn andererseits ist heute nachstehender Contract verabredet und abgeschloßen worden.

§1

Unter zugrundelegung anliegenden Kostenanschlages resp. Zeichnung verspricht p. Randebrock für die hießige Kirche einen neue Orgel zu bauen und dieselbe aufzustellen, zugleich verpflichtet sich p. Randebrock dieses Werk bis spätestens Ausgang Mai 1855 in tadellosen Zustand angefertigt und aufgestellt zu haben, so daß dasselbe in dieser Zeit zu den kirchlichen Zwecke abgenommen werden kann, die Kosten der Abnahme trägt die Gemeinde selbstredend allein.

§2

Hingegen verspricht die Gemeinde Vörden für die gelungene Arbeit die Summe von 614 Rth. buchstäblich Sechshundert Vierzehn Taler Preusch Corant und zwar unter nachstehenden Terminen zu Zahlen.

§3

Im Anfang der Arbeit zahlt die Gemeinde gegen Mitte Februar 1855 die Summe von 250 Rth. -zweihundert fünfzig Thaler- der übrige Theil der verdingten Summe wird mit Ausschluß von Einhundert Thaler

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gleich nach der Abnahme, die kurtz nach Beendigung der Aufstellung vorgenommen werden soll mit 260 -weihundert sechzig- und 4 Thaler bar angeführt, die beregten Einhundert Thaler bleiben dagegen gegen 4% Zinsen bis 1856 zum 1ten Mai stehen.

§4

Nach der Eingangs erwehnten Kostenvoranschlages resp. Zeichnung nach welcher p. Rendebrock unabweichlich zu arbeiten hat, ist bei den Register Gamba 8 eine kleine Veränderung vorzunehmen, die auf 4 Thaler festgesetzt ist, und welche bei der Abnahme mit gedachten Stück Capitale abgezahlt werden sollen.

§5

Ferner verpflichtet sich die Gemeinde die Vorkehrungen in der Kirche auf der Orgelbühne so frühzeitig beseitigen zu wollen, daß p. Randebrock in seiner Aufstellung nicht gestört wird, auch verspricht die Gemeinde die Freie Abfuhr des Werkes und Materials von Paderborn nach Vörden zu beschaffen.


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Sollte die OrgelReviers bei derder Abnahme nach Mengel sich vorfinden, so P. Randebrock diese sofort zu beseitigen, ohne dafür eine Entschädigung zu beanspruchen. Sollten indes dabei sich solche Fehler vorfinden, die auf eine ungeläßige Arbeit und Untüchtigkeit des Werks schließen, so würde P. Randebrock zurrückzahlung seines empfangenen Vorschußes der im Februar 1855 soll geszahlt werden, und zur Rücknahme des mißlungenen Werkes angehalten werden.

§6

Schließlich übernimt P.RandeRandebrock für die Dauer seiner übernommen Garanti von 8 Jahren, also von 1ten Juni 1855 bis dahin 1863 die jährliche Stimmung, wofür ihn die Gemeinde den Jährlichen Betrag von zwei Thaler fünfzehn Silbergroschen hiermit festsetzt.

Hiernach wurde die Verhandlung geschloßen und von beiden Theilen unterschrieben.
Der Bürgermeister Elsing
August Randebrock Orgelbauer

Der Gemeinderath
Heinrich Potthast
Johannes Kropp
Johannes Hölting
Christoph Grote
Philipp Hölting
Christian Cordes

Wagner Amtmann

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Noch wird besonders bemerkt, daß zu diesem neuen Orgelwerke daß in (alte) der Orgel vorhandene Pfeiffen Werk zu der neuen Orgel sämtliche wieder benutzt , und mit unter neu umgearbeitet worden, ohne an der Vorhandenen Verdings Summa seitens der Gemeinde Vörden Abzug machen können. Hiermit wurde die Führung der Chronik welche in der heutigen Versammlung vorgelesen, fürs laufende Jahr abgeschloßen.

So geschehn Vörden den 30ten December 1854

Der Gemeinde Vorstand Der Gemeinderath

Der Bürgermeister Elsing


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Im Monath Februar 1855 wurde die Kreisstraße von Höxter nach Nieheim über Ovenhausen neben Vörden und Bredenborn in Arbeit genommen, im Jahre 1856 wurde dieselbe der öffentlichen Fahrt übergeben. Die Erdarbeit und steinanfahrt in dre Vördenschen Feldmark wurden von der Gemeinde Vörden gestanden. Die Anfahrt der Steine und Arbeit wurden öffentlich ausgethan und betrugen 3500 Rth. 20 Silgr. Die betreffenden Ländereien, wo die Chaussee durchgelegt wurde, sind von Kreise verhältnis mäßig entschädigt.

Am 1ten April 1855 wurde zuerst ein Gendarm in Vörden Stationiert.

Am 1ten Mai 1855 wurde die Bürgermeisterei an den Ackerbürger Christoph Grote vulgo Brauer übergeben. Im April 1856 wurde der Anschluß Weg von Vörden aus nach der Kreis Chauhsee auf Kosten der Gemeinde angefertigt.

Im April 1857 wurde die Höxter et Nieheimer Chauhsee in der Vördenschen Feldmark mit Obstbäumen von der Gemeinde bepflanzt, und kosteten 400 Rth. 2 Silgr. Die gepflanzten Bäume wurden von Wehrden gekauft.

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Im Monath Juni 1857 wurde unterhalb Vörden, genannt Krummensiek, ein Feuerteich von der Gemeinde, durch Frohndienst, angefertigt wobei sich sämtliche Einwohner betheiligten.

Im Juli 1857 wurde die Ringmauer um der Kirch resp. Kirchhof ausgebessert und mit Türen versehen, die Kosten betrugen 180 Rth.

Im Jahre 1856 wurden nördlich von Hungerberg 2 Morgen Tannen gepflanzt, ebensodie Eichen im sogenannten Eichhagen nach Eilversen zu gepflanzt.

Vom Jahre 1856 bis 1857 im Januar, wurden sämtliche Felder resp. darauf wachsende Korn, stark von Mäuse verhert so das viele Einwohner genöthigt waren die gesäten Feldfrüchte umzuackern und frisch zu besähen. Der junge Roggen wurde gäntzlich verhert und wurde mit Sommerfrüchte ersetzt.

Am 1ten October 1857 wurde eine Wasserkunst? aus dem sogenannten Hogge nach Vörden angelegt. Der Wasserkump wurde neben der Kirche bei der Kaplanei errichtet, in dem von hier aus die Ableitungsrohre nach den anderen Straßen zu angelegt werden können, den von hieraus war es zur Zeit nur möglich einen Abfluß zu erhalten.

Die Summe der ganzen Anlage resp. Kump betrug 840 Rth.


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Am 26ten October 1857 Morgens 8 Uhr entstand in dem Hause des Ackerbürgers Höke vulgo Wachmeyer ein Feuer, welches auf die großen Diele anging, wo durch 13 Wohnhäuser ein Raub der Flammen geworden und 16 Familien abdachlos wurden. es waren folgende Häuser:

1. Pastor Gebäude/königlich
2. Höke
3. Heinrich Dolle
4. Franz Elsing
5. Anton Multhaup
6. Ww. Heinrich Potthast
7. Ww. Hermann Potthast
8. Ww. Heinrich Hölting
9. Johann Multhaup

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10. Johann Kluge
11. Heinrich Hartmann
12. Salomon Löwendorff
13. Heinrich Weber

Da bei dem Brand nichts resp. wenig gerettet wurde, ist vermittelst des Polizei Amtmans Herrn Kröger von hier, und mit der Genehmigung des Herrn Landraths von Metternich im ganzen Kreise Höxter eine Colekte abgehalten, wobei 206 Rth. 18 Silgr. 9 Pf. und an 80 Scheffel Korn verschiedener Art eingegangen. Derselbe ist gleichmäßig unter den Abgebrannten verteilt worden. Bei den Brande hatten sich 16 Spitzen von den nächsten Orten eingefunden, aber bei der anhaltenden Dürre, wurden die Wasservorräthe bald erschöpft und nur Hände Arbeit konte dem Feuer Schranken setzen.

Vom 28ten Julie bis 25ten December hatten wir fortwährende Dürre, die Brunnen und Teich waren ausgetrocknet,sämtliche Einwohnermußten ihren Wasserbedarf aus dem Kump holen. Selbst die Einwohner von Eilversen und Altenbergen haben gelegentlich aus unseren Kump Wasser gefahren.

Durch die fortwährende Hitze tauchte das Nerfenfieber hier auf, wobei einzelne Einwohner ein Raub des Todes wurden. Am 15ten October 1857 wurde zuerst hier im Orte Vörden der Geburtstag Unser geliebten Königs und Landherren Friedrich Wilhelm IV König von Preußen in feierlicher Weise begangen und durch einen Ball eröffnet. Die alten Kriegerwaren eingeladen, und bei jeden Theilmehmer strahlte Freude übers Antlitz.


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Im Monath December 1857 wurde der Breite Anger, welcher mit starken Eichen bepflanzt war, abgehauen und dieser Platz wurde, für die geringen Einwohner zu Gärten verpachtet. Die Einnahme der gehauenen Eichen betrug 800 Rth., welche der Gemeinde vereinnahmt sind.

Für das laufende Jahr 1857 abgeschlossen.

Vörden am 26ten December 1857

Der Bürgermeister
Grote

Die Gemeinde Verordneten
Kropp, Quest, Köhne, Kreilos

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Fortführung der Städtischen Chronik de 1858

Der Monath Januar fing mit gelinder Witterung an, und dauerte bis zum Ende fort, die Kornpreise waren flach und es herschte überall kein Handel, des Getreides, und kostete

a Berliner Scheffel Weitzen 2 Rth. 10 Silgr.
b Berliner Scheffel Rocken 1 Rth. 25 Silgr.
c Berliner Scheffel Gerste 1 Rth. 18 Silgr.
d Berliner Scheffel Hafer 1 Rth. 5 Silgr.

In den ersten Tagen des Monaths Februar wurde mit Kälte sehr streng, dauerte aber nur einige Tage, und ging so gelinde bis zu Ende fort.

Der Monath April war sehr dürre, und ganz ohne Regen und sehr kalt, so das die Winterfrüchte welche sich früher prachtvoll zeichten durch die Dürre und Kälte sehr viel zu leiden hatten.

Zugleich fing ebenfalls der Monath Mai wieder mit Kälte und Dürre an, daß sogar am 8ten, 9ten und mehrere folgende Nächte allenthalben des Morgens Eis auf den kleinen Pfuhlen zu finden und wegen der im vorigen Jahre und bis hierhin anhaltenden Dürre mehrentheils die Wasserquellen ausgetrocknet, und die Wasserbrunnen in Vörden trocken wurden. am 13ten erfolgte etwaiger Regen, daß die Winterfrüchte welche wegen Trockene schon bedeuten gelitten, sich wieder erholten und die geseeten Sommerfrüchte aufkeimen konnten.


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Der Monath Juni fing mit sehr warmen Tagen anund übertriebener Hitze, so das der Termometer den 27ten 28 sogaar 29 Grad Hitze erreichte, es trafen auf mehreren Stellen gefährliche Gewitter mit Hagelschlagein, welche Schreckliche Blitze und Donner enthielten und auf mehre Stellen durch den Blitz und Donner Gebäuden in Brand gerichtet und Menschen ums Leben kamen.

Ebenso fing auch der monath Julie wieder mit sehr brenender Sommerhitze an. Jedoch gab der himmel am 9ten einemn sehr fruchtbaren Regen, wodurch die schon mehrentheils verdorrten Felder und Gartenfüchte von Neuen belebt und prachtvoll Wachstum erhielten. Die Kornpreiße hatten sich im Anfang d.M. sehr erhoben so das

Berliner Scheffel Wetzen 3 Rth.
Berliner Scheffel Rocken 2 Rth. 5 Silgr.
Berliner Scheffel Gerste 1 Rth. 25 Silgr.
Berliner Scheffel Hafer 1 Rth. 15 Silgr.

Welche Preise jedoch nicht bis zum ende d.M. bestehenblieben

Die Kartoffel befanden sich in einen prachtvollen Zustande, und wurden durch den wiederholten Regen noch mehr belebt, so das man in der freudugen Hoffnung eine reichliche Kartoffelernte zu beziehen wieder lebte.

Der Augustmonath war ebenfals wieder trocken, und sehr warm. Der Rocken war in einer sehr guten Bestande, und wurde guth eingescheuert. Die Gerste mittelmäßig und ebenso der Hafer, die Bohnen und Erbsen und Raufutter wurden früzeitig in der Blüte so stark vom Melthau befallen, und blieb alles ohne Körner.

Der September war ebenfalls sehr trocken, und so auch der Monath October, daß der Wassermangel überhaupt sehr groß, es wurden auch am 21ten des letzteren die 14 Stationen der sogenannten H. Kreutzweg nach den Hungerberg von einen Pater des Franzis Kaner Ordens unter einen feierlichen Processionszuge eingeweihet.

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Der Monath November fing ebenfals wieder mit trocken sogar mit strenger Kälte an, welche bis zu Ende d.M. stets anhielt. Der Wassermangel wurde immer größer, und die Wasserbrunnen ganz trocken, so daß der Wasserkump nicht im Stande war den Bedarf der sämtlichen Einwohner für Menschen und Vieh liefern zu können, sogar in der letzeten Zeit mehre Bespannte aus Noth gedrungen aus den von Haxthausen befindlichen Wasserquell auf den Ackergrundstück Kuhkamp genannt fahren mußte.


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Es wurde zugleich in desen Monath der Brunnen der Wasserleitung in der Wiese des Bürgermeisters Johann Elsing ein gefriedigt resp. aufgemauert, welch Mauerarbeit der Meister Plöger aus Nieheim für die Betrag Summe …..

Der Monath December fing mit gelinder Regenwitterung an, welche jedoch allmehlig heftiger wurde, so daß der Wassermangel allmehlig gehemmt und die Brunnen wieder Wasser erhielten.

Hiernach wurde die Versammlung geschlossen und von beiden Theilen nach gehöriger Vorlesung unterschrieben.

So geschehen Vörden am 30ten December 1858

Der Bürgermeister
Elsing

Die Gemeinde Versammlung
Kropp, Quest, Köhne, Grote, Kreilos

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Fortsetzung der Stätischen Chronik des Jahres 1859

Der Monath Januar fing mit Regenwitterung an, welche allmehlig heftiger wurde, so das die Wasserquellen allmehlig geöffnet, und der solange anhaltende wassermangel gesteuert wurde.

Ebenso fing auch der Monath Februar wieder mit heftigen Regen und furchtbaren Sturmwinden an, und fuhr so bis zum ende fort.

Der Monath April fing ebenfals wieder mit heftigen Sturmwinden und Regengüssen an. Am 16ten erfolgte heftiger Schnee, so das der Erdboden überall damit bedeckt wurde.

Der Monath Mai war Angenehm und fruchtbar, so daß die Aecker gehörig bestellt werden konten. Es erhoben sich in diesen Monathe zwischen Oesterreich und Frankreich kriegische Unruhen, die auch unseren König von Preußen nöthigen, sein Militär Mobil zu machen.

Der Monath Juni war sehr trocken und warm, so daß der Termometer 30 und 31 Grad Hitze erreichte. Die Kriegesunruhennahmen mehr zu und wurden am Ende des Monats sogar Wehrmänner 2ten Aufgeboths eingestellt.

Der Monath Juli war ebenfals sehr Warm und trocken. Der Rocken kam in der Mitte d.M. schon zur Reife, und die Sommerfrüchte waren mangenstellen mehrentheils vertrocknet.


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Der August Monath war mitunter fruchtbar, was der Ergibigkeit der Aernte anbetrifft, war der Rocken in hinsicht des Strohes reichlich, jedoch weil derselbe schon vor der Blüthe befallen, sehr schlecht in hinsicht der Körnern, so das a Haufen ungefähr 4 Matzen lieferte.

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Der Wetzen waar ansich sehr guth und ergiebig. Die Gerste so wie die übrigen Sommerfrüchte lieferten wegen der anhaltenden Dürre wenig stroh, jedoch wurden sämtliche guth und trocken eingescheuert.

Es wurde auch am ende d.M. weil ein Friedensschluß zwischen Oesterreich und Frankreich zustandegebracht, die Landmänner entlassen, und die ausgehobenen Landwehrpferde wieder verkauft und man sah der frohen Hoffnung entgegen, daß ein bestehender Friede verbleiben würde.

Der September wurde mitunter sehr Regnerisch, so das der Grummet schlecht gewonnen und mit vieler Schwierigkeit eingescheuert wurde.

Der October war ebenfals regnerisch, und hielte so bis Ende fort.

Der Monath November war anfänglich ziemlich angenehm, jedoch trat am 11ten heftiger Frost ein, so das es schwerfiel die fällige um Pflügen zu können.

Der December war unbeständig, so das bald Regen, bald Frost erfolgte und hielt so bis zum ende fort,

Die Durchschnittspreise der Fruchtarten der Märkte zu Paderborn pro Martini bestanden für das Jahr 1859 in folgender Art.

Der Berliner Scheffel Rocken 2 Rth.
Der Berliner Scheffel Weitzen 2 Rth. 16 Silgr.
Der Berliner Scheffel Gerste 1 Rth. 12 Silgr.
Der Berliner Scheffel Hafer 1 Rth.

Hiernach wurde die Führung der Chronik, welche in der heutigen Versammlung vorgelesen, für das laufende Jahr geschlossen.

so geschehen Vörden am 30ten December 1859

Der Gemeinde Vorstand

Der Bürgermeister
Elsing

Der Gemeinderath
Krop, Quest, Köhne, Grote, Kreilos


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Fortsetzung der stätischen Chronik des Jahres 1860

Der Monath Januar fing mit ganz unbeständiger Witterung bald Regen, bald Frost an, und hilt allso bis zum Ende fort.

Der Monath Februar fing ebenfas wieder mit unbeständiger Witterung an, so daß bald Schnee, bald Regen, bald Frost abwechselnd, welches mit unter mit furchtbaren Windsturm verbunden, und letztere sehr vielen Schaden in hinsicht der Gebäude, und der Waldungen verursachte.

Der Monath März fing jedoch mit harten Frost und Schneegestöfer an, so daß bis zum 13ten mit den Schlitten gefahren, und der Dünger damit weggefahren werden konnte. Es wurde zugleich in diesen Monathe vom 15ten bis zum 18ten die von der Gemeinde Vörden in Cassel bestellte neue Feuerspritze, Litt. B zum Preise Courants von 575 Rth. abgeholt, jedoch unter folgenden Bedingungen, daß 275 Rtl. gleich bei der Empfangnahme der selben, und der Rest von 300 Rth. in drei gleichen Jahresrenten, als Ende des Jahres 1861, 1862 und 1863 und zur Verzinsung der Restbeträge von Tage der Ablieferung der Spritze an bis zur Zahlung der mit vier Procent an den Fabrikanten Hänschlersohn zu verzinsen erklärt.

Der Monath April war ansich regnerisch und dabei kalt, zugleich im letzteren wurde das im Jahre 1857 am 26ten October abgebrannte Pastorath Gebäude von Königlichen Fiscus in Arbeit genommen.

Der Monath Juni war ebenfals regnerisch und dabei kalt, zugleich der Monath Juli, so daß es schwer fiel, im letzteren Heu und Klee, welcher letztere wegen dem im Vorherbst sehr bedeutenden Mäusefraß sehr schlecht gerathen, trocken einscheuern zu können.

Der Monath August wurde wegen heftigen Regenwetters noch schlimmer, so daß der Rocken, welcher überhaupt schlecht gerathen, spät zur Reife kam, so daß bis zum 15ten d.M. derselbe noch nicht allenthalben gemeht werden konte, und wegen der fortwehrenden Regengrüße sehr viel darunter ausgewachsen.

Der September war ebenfals sehr regnerisch, so daß es schwer fiel, die Sommerfrüchte und ebenso die Kartoffeln, welche schlecht gerathen, einscheuern zu können.

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Der Monath October ebenfals wie die vorherigen sehr regnerisch, so das es schwer fiel, die Acker mit Winterfrüchten bestellen zu können. Es erhoben sich die Kornfruchtpreise, und kostete a Berliner Scheffel.


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Weitzen 3 Rth. 10 Silgr.
Rocken 2 Rth. 5 Silgr.
Gerste 1 Rth. 25 Silgr.
Hafer 1 Rth.

Der Monath November fing ebenfals wieder mit Regen an, nach einigen Tagen erfolgte Schee, so daß das Vieh allerart aufgestallt werden mußte.

Der Monath December fing zwar anfänglich mit gelinder Frostwitterung an, jedoch nur bis 20ten. nach diesen trat eine sehr strenge Kälte ein, welche bis zum ende fort dauerte.

In diesen Monathe wurde die Hießigerseits auf den Guthe Vörden wohnenden Baron Guido von Haxthausen untern 15. October des Jahres 1857 bei der Königlichen General Comihsion zu Münster beantragte Separation resp. Verkopplung die leider schon so weit ins Leben getreten, daß ein Kosten Vorschuß von 1100 Rth. in den Hebeterminen des Jahres 1859 pro Mai, Juni und Juli gezahlt werden sollten, wieder rückgängig und zwar weil der Vorstand hießiger Gemeinde als

1. der Bürgermeister Johann Elsing
2. der Gemeinde Verordnete Gastwirth Johann Kropp
3. der Gemeinde Verordnete Christopf Grote
4. der Gemeinde Verordnete Johann Hölting
5. der Gemeinde Verordnete Adolpf Kreilos
6. der Gemeinde Verordnete Heinrich Köhne
7. der Gemeinde Verordnete Joseph Quest

tapfer derselben entgegen gearbeitet, wieder rückgängig resp. von den Baron von Haxthausen wieder zurückgenommen, und es kam der Vertrag unter beiden zustande, daß die in diesen verhältnisse erwachsenen Kosten welche sich auf 178 Rth. 11 Silgr. belaufen hatten gemeinschaftlich getragen werden sollten. Hiernach fiel der Gemeinde Vörden von den fraglichen Kosten zur Last 133 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. den Baron von Haxthausen 44 Rth. 28 Silgr. 10 Pf. macht obigen Betrag von 178 Rth. 11 Silgr. und mußte obige 133 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. den p. Haxthausen seitens der Gemeindekasse erstattet werden.

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Abschrift des Gemeinde Beschlußes wegen der Seperation Kosten

Versamelt Vörden am 7ten Februar 1861

In der heutigen vorschriftsmäßig berufenen, und unter den Vorsitze des Bürgermeisters Elsing stattfindenen Gemeindeversamlung, welcher die Mitglieder derselben gegenwärtig waren , als


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1. Johann Kropp
2. Christoph Grote
3. Johannes Hölting
4. Adolph Kreilos
5. Heinrich Köhne
6. Joseph Quest

stand auf der Tagesordnung die den Freiherren von Haxthausen hier selbst in der Vördenschen Separationssache von der Grundsteuerpflichten der hießigen Gemeinde ( : ……..des Freiherrn von Haxthausen selbst, und der Forensen ) zu erstattenden Kosten.

Der Vorsitzende Bürgermeister legte der Versammlung zuforderst das an den Freiherrn von Haxthausen hieselbst gerichtete von diesen Amte zu Marienmünster zugestellte, und von daher zur Kenntnisnahme mitgeteilte Resript der Königlichen General Kommission zu Münster vom 16 ten October 1860 No. 3523 II a vor, aus welcher die Gemeindeversammlung sich überzeugte, daß die in der Vördenschen Separationssache aufgelaufenen resp. von den Freiherrn von Haxthausen hie selbst getragenen Kosten überhaupt 178 Thaler 11 Silgr. betragen. Die Gemeindeversammlung überzeugte sich ferner, aus einer Diesfelißigen Verfügung des Amts zu Marienmünster, daß die gesamte Grundsteuer des Gemeindebezirks Vörden ( inclus. derjenigen welche vom Freiherrn von Haxthausen und von Forensen zu tragen ist ) pro Jahr 580 Rth. 29 Silgr. 4 Pf. ausmacht, hiervon als vom Ritterguthe Vörden her-
rührend, von den Freiherrn von Haxthausen hierselbst zu tragen sind 146 Rth. 12 Silgr. 6 Pf. mithin auf die übrigen Grundsteuer pflichtigen des Gemeindebezirks inclusif der Forensen, fallen 434 Rth. 15 Silgr. 10 Pf.

Die Gemeindeversammlung überzeuchten sich und erklärten, daß von den obigen Kosten rd. 178 Rth. 11 Silgr. nach diesen Verhältnis von den Freiherrn von Haxthausen selbst zu tragen sind 44 Rth. 28 Silgr. 10 Pf. daß dagegen von Freiherrn von Haxthausen hierselbst zu erstatten sind 133 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. macht obige 178 Rth. 11 Silgr.

Die Gemeindeversammlung erkannte ferner an, daß die den Freiherrn von Haxthausen zu ersatattenden 133 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. lediglich von den in Vörden einheimischen Grundsteuerpflichtigen exclusiv des Freiherrn von Haxthausen und den Forensen aufzubringen sind also wie das

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eine einmonatige Grundsteur der erstgedachten Grundsteuerpflichtigen abgerundet 32 Rth. beträgt.

In Anbetracht nun, daß zu den erstattenden 133 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. noch 3 Procent Erhebungsgebühren mit 4 Procent zugeht, und mithin im Ganzen etwa 137 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. aufgebracht werden müssen, beschließt die Gemeindeversammlung, daß von den einheimischen ( Vördenschen ) Grundsteuerpflichtigen eine 4 1/2 monatliche Grund-


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steuer zur Deckung vorstehenden Betrages aufgebracht werden sollen.

Die Gemeindeversammlung beschließt jedoch, in Erwägung, daß die hießigen Eingesessenen im laufenden Jahre bereits mit einer 11 monatigen Grund-Klassen-und Einkommensteuer, als Communal Defizit aufzubringen haben, und den Grundsteuerpflichtigen daneben die Aufbringung der obigen 4 1/2 monatlichen Grundsteuer all zu drückend, und fast unmöglich werden würde, -ferner daß die den Freiherrn von Haxthausen hieselbst zu erstattenden 133 Rth. 12 Silgr. 2 Pf. vorschußweise auf die Gemeindekasse angewiesen, und nebst den Erhebungsgebühren erst in künftigen Jahre von den Zahlungspflichten wieder eingezogen werden sollten.

Die Gemeindeversammlung spricht hierbei die Hoffnung aus, daß das Communal Defizit sich pro 1862 niedriger als für das laufende Jahr herausstellen würde, in dem als dann mehrere erhebliche Ausgaben ausfallen würden.

vorgelesen, genehmigt unterschrieben

Die Gemeindeversammlung

Johannes Kropp, Christoph Grote, Johann Hölting, Heinrich Köhne, Joseph Quest, Adolph Kreilos

Der Bürgermeister Elsing

Hierauf wurde die Führung der Chronik welche in der heutigen Versammlung vorgelesen für das laufende Jahr geschlossen.

So geschehn Vörden am 30 ten December 1860

Der Bürgermeister Elsing
Die Gemeindeverordneten
Kropp, Quest, Köhne, Grote, Kreilos

Seite 100

Fortsetzung der Städtischen Chronik des Jahres 1861

Dennoch der Monat December des Jahres 1860 mit strenger Költe endete, so fing der Monat Januar des Jahres 1861, ebenfalls mit sehr strenger Költe wieder an, es erfolgte in dien Monate heftiger Schnee, so das fast kein Durchkommen mehr war, und viele Menschen, welche auf Wanderschaft begriffen, um das Leben gekommen; diese Kälte fuhr bis zum 24 ten fort, als dann ein Wechsel und Regen, und allenthalben bedeutende Wasserfluten entstanden.

Der Februar hielte bis zur Mitte desselben mit Regen an hier nach erfolgten angenehme Tage.


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Der Monat März fing mit heftigen Sturmwinden, Schnee und bedeutenden Regengüssen an und hielt bis zum Ende fort.

Der April war zie,lich freundlich und angenehm, so daß die Viehherden in der Mitte des selben wieder konnten. In diesen Monathe wurden die Baumpflanzung der Obstbäume auf der Vördener Marienmunster Straße begonnen, welche die Gemeinde beschafft hatte.

Der Monath Mai war warm und fruchtbar. Die im Vorherbste durch Wurmstich resp. Made total verdorbenen Winterfrüchte, erhoben sich ziemlich, ob schon dieselben dann fielen, jedoch im Betreff der Sommerfrüchte gut bestellt werden konnten.

Der Juni war ebenfalls warm und fruchtbar, in diesen Monate kamen die gesäten Sommerfrüchte prachtvoll empor.

Der Juli war viel regnerisch, so daß die Futterkräuter als Klee und Heu sehr schwer zu gewinnen resp. zu trocken waren.

Der Monat August war ebenfalls regnerisch, jedoch wurden in Ende d. M. die Winterfrüchte gut eingescheuert, und besonders der Weizen gut geraten war.

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Der September war ebenfalls regnerisch, jedoch wurden die Sommerfrüchte welche ziemlich gut geraten, gut eingescheuert, jedoch wird bemerkt, daß die Kartoffelkrankheit, welche im August wieder heftig eingetreten, selbige total verdorben, es mithin sehr wenige in Betreff die Ernte gaben, so daß pro Morgen höchstens 10 Sack geerntet wurden.

Der Oktober war genügend angenehm, so daß die Äcker in Betreff der Bestellung mit Winterfrucht rechtzeitig bestellt wurden, jedoch herrschte in diesen und den folgenden Monaten ein bedeutender Schneckenfraß, so daß mehrere Stücken Roggen umgepflügt werden mußten. Der Monat November war in Betreff der Witterung sehr unbe-ständig bald Frost als dann wieder Regen, die Kornpreise bestanden in diesen Jahre durchschnittlich a Berliner Scheffel:

Weizen 3 Rth. 15 Silgr.
Roggen 2 Rth. 5 Silgr.
Gerste 1 Rth. 25 Silgr.
Hafer 1 Rth. 2 Silgr.

Der Monat December fing anfänglich mit strenger Kälte an, jedoch nur bis zur Mitte des selben, als dann erfolgte wieder Schnee mit Regen vermischt, und hielt also bis zum Ende des Monats durch.


Hier geht es zu den Jahren 1861-1871.

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